|
Welche bleifreien Lotlegierungen werden für
das Reflow-Löten empfohlen?
Das wichtigste
Kriterium bei der Auswahl einer Legierung
für SMT-Bestückungsvorgänge ist die
Reflow-Temperatur der Legierung. Ferner
fallen bei der Auswahl auch Aspekte wie die
Hitzebeständigkeit der Bauteile ins Gewicht.
Eine Frage kann beispielsweise lauten, ob
Bauteile mit
Plastikgehäuse durch die bei
bleifreien Lotlegierungen erforderlichen
Temperaturen beschädigt
werden könnten.
Oder: Wird die Zuverlässigkeit des Bauteils
nach der starken Hitzeeinwirkung
noch
gegeben sein? Die Benetzungseigenschaften
bleifreier Legierungen unterscheiden sich
von
bleihaltigen Loten und sind auch von der
Zusammensetzung der Oberflächenbeschichtung
abhängig, auf die gelötet werden soll.
Gegenwärtig
wird bei den meisten
SMT-Bestückungsanwendungen
Zinn/Silber/Kupfer eingesetzt.
Die
Reflow-Temperatur dieser Legierungen liegt
bei 217-221°C, und bei einer
Spitzentemperatur
von 235-255°C ist auf den
meisten bleifreien Beschichtungen, wie Zinn,
Silber, Nickel/Gold und
Kupfer/OSP, eine
gute Lötbarkeit gewährleistet.
Legierungen mit
niedrigerem Schmelzpunkt, wie Zinn/Zink oder
Zinn/Silber/Kupfer/Bismut werden
zwar
angeboten, allerdings erfordern diese
Legierungen oft besondere
Flussmittelsysteme, oder
die Leitungen und
Leiterplatten müssen vollkommen frei von
Bismut sein, um zuverlässige
Lötstellen zu
erhalten.
Welche
Kriterien spielen bei Tests bleifreier
Lotpasten eine Rolle?
Die sorgfältige
Auswahl der bleifreien Paste ist für einen
fehlerfreien SMT-Prozess von größter
Bedeutung. Zunächst muss festgestellt
werden, wie die Leiterplatte und die
Bauteile beschichtet
sind. Dann wird eine
für das Löten auf diesen Beschichtungen
geeignete Flussmittelformel
ausgewählt. Es
gibt Pasten, die auf verzinnten Oberflächen
hervorragend funktionieren, auf
OSP-
beschichtetem Kupfer jedoch schlecht
lötbar sind. Hersteller von Lotpasten testen
ihre Produkte in
der Regel gründlich. Im
Rahmen der Testserien werden u. a. auch die
Verteilungs- und
Benetzungseigenschaften
einer Lotpaste unter Luft und Stickstoff
eingeschätzt. Diesbezügliche
Informationen
können beim Hersteller erfragt werden.
Weitere wichtige Testkriterien sind:
-
Volumengenauigkeit bei hohen
Temperaturen, z. B. bei 180-185°C
-
Volumengenauigkeit bei niedrigen
Temperaturen
-
Lotkugelbildung unter Luft und
Stickstoff bei Verwendung eines für
Reflow-Prozesse typischen
Temperaturprofils
-
Benetzung auf verschiedenen Oberflächen,
Verteilung
-
Klebezeit
-
Schablonenstandzeit
-
Eigenschaften der Rückstände
-
Nadelkartentests der Rückstände
- Aufwand
beim Entfernen der Rückstände, vor allem
bei wasserlöslichen Pasten
Müssen
Schablone oder Druckprozess für bleifreie
Anwendungen geändert werden?
An Schablonen
oder am Druckvorgang müssen keine Änderungen
vorgenommen werden. Bei
bleifreien
Legierungen wie Zinn/Silber/Kupfer wird die
Oberfläche nicht vollständig bis zum Rand
der Pads benetzt. Dieser Effekt kann durch
Verwendung einer großzügigeren Schablone
oder mit
einem Maßstab von 1:1 etwas
ausgeglichen werden. Eine hochwertige
bleifreie Lotpaste zeichnet
sich prinzipiell
durch eine hervorragende Klebezeit aus und
garantiert dieselben
Schablonenstandzeiten
wie die herkömmlichen bleihaltigen Pasten.
Auch hinsichtlich der
Druckgeschwindigkeit
bestehen keine Bedenken.
Inwiefern unterscheidet sich das
Temperaturprofil für bleifreie Pasten von
herkömmlichen Zinn/Blei-Prozessen?
Der wichtigste
Unterschied besteht darin, dass bei
Verwendung von Zinn/Silber/Kupfer die
Lotlegierung die Spitzentemperatur belegt.
Der Schmelzpunkt der Legierung liegt bei
217-221°C,
die Spitzentemperatur beläuft
sich je nach thermisch wirksamer Masse der
Baugruppe auf ca.
230-255°C. Es wird
empfohlen, die Verweilzeit über Liquidus auf
maximal 90 Sekunden zu
beschränken, damit
die Rückstände nicht verschmoren. Außerdem
wird auf diese Weise die
Gefahr von
unerwünschten metallischen Einlagerungen
zwischen Beschichtung und Lot reduziert.
Ist für
den Reflow-Vorgang eine Stickstoffatmosphäre
zu empfehlen?
Ob unter
Stickstoff gearbeitet werden muss, ist von
der chemischen Zusammensetzung des
Flussmittels der Lotpaste abhängig. Seit
einiger Zeit werden Flussmittelsysteme für
bleifreie
Pasten entwickelt, die ohne
Stickstoff eingesetzt werden können und
dabei eine gute Benetzung
und zuverlässige
Lötstellen gewährleisten. Wie beim Einsatz
von Zinn/Blei unter Stickstoff werden
jedoch
auch hier mit Stickstoff glattere Lötstellen
und eine bessere Benetzung erreicht.
Führen die zum Schmelzen bleifreier Lote
erforderlichen höheren Temperaturen im
Reflow-Ofen
zu einer verstärkten Rauch- und
Kondensatbildung?
Für die
bleifreien Legierungen wurden neue Formeln
für No-Clean- und wasserlösliche Pasten
entwickelt. Aus diesem Grund ist die
Zersetzung der Zusatzstoffe bei diesen
Produkten nur
geringfügig stärker als bei
Pasten auf Zinn/Blei-Basis. Bei Systemen für
Zinn/Silber/Kupfer-
Lotpasten wird
vorausgesetzt, dass sie für hohe
Spitzentemperaturen im Bereich 230-260°C
entwickelt wurden. Wenn ein System nicht auf
diese Temperaturen zugeschnitten ist, kann
sich
der Zersetzungsprozess der
Flussmittelstoffe etwas verstärken, wodurch
es im Bereich des
Reflow-Ofens und des
Lüftungssystems zu einer starken
Kondensatbildung kommt.
Lassen sich die
Rückstände bleifreier, wasserlöslicher
Pasten schlechter entfernen?
Bei
Zinn/Silber/Kupfer-Lotpasten werden hohe
Spitzentemperaturen verwendet. Wenn das
Flussmittelsystem nicht für diese hohen
Temperaturen entwickelt wurde, lassen sich
Rückstände u.
U. nicht ganz einfach
entfernen. Um die Flussmittelrückstände
erfolgreich entfernen zu können,
müssen ggf.
erst verschiedene Reinigungsmittel getestet
werden. In einigen Fällen führt eine
Erhöhung des Drucks, eine Verringerung der
Bandgeschwindigkeit oder Änderung der
Temperatur
der Lösung zum Erfolg. Bei
beidseitigen Reflow-Anwendungen kann sich
der Reinigungsaufwand
zudem noch erhöhen,
weil beim zweiten Durchlauf Rückstände aus
dem ersten Reflow auf der
Leiterplatte
festbacken. Prinzipiell ist es wichtig, eine
Paste mit guten Reinigungseigenschaften
auszuwählen.
Wie verhalten
sich No-Clean-Flussmittelrückstände bei den
höheren Reflow-Temperaturen?
Da die
Temperaturen während der Verweilzeit über
dem Liquidus bei Zinn/Silber/Kupfer höher
sind, können sich Flussmittelrückstände beim
Reflow unter Luft u. U. verfärben. Bei
Flussmittelsystemen, die gezielt für
bleifreie Anwendungen entwickelt wurden,
tritt dieser Effekt
meist nicht auf. Die
Flussmittelrückstände können zur Bildung von
Polymeren neigen und sich
verfestigen,
wodurch bei Tests ein höherer Druck
angewandt werden muss. Damit
Flussmittelrückstände Nadelkartentests
unterzogen werden können, müssen sie auch
nach dem
Reflow eine weiche Konsistenz
aufweisen. Die Formeln, die unter diesem
Gesichtspunkt entwickelt
wurden, verhärten
auch bei hohen Spitzentemperaturen nicht.
Unterscheiden sich Lötstellen bei bleifreien
Loten im Aussehen von Verbindungen, die mit
Zinn/Blei-Legierungen gelötet wurden?
Während die
Lötstellen bei herkömmlichen Sn63-Loten nach
dem Reflow glänzen, wirken die
Oberflächen
der Zinn/Silber/Kupfer-Legierungen matt und
rissig. Dieses Erscheiningsbild ist
charakteristisch für diese Legierungen und
darf nicht als Zeichen für qualitative
Mängel gedeutet
werden. Ein weiterer
auffälliger Unterschied sind die größeren
Kontaktwinkel und die geringere
Benetzung an
den Rändern des Pads. Sie sind darauf
zurückzuführen, dass
Zinn/Silber/Kupfer-
Legierungen nicht so
schnell und vollständig benetzen wie Sn63.
Welche
Lötfehler sind bei bleifreien
Reflow-Lötvorgängen bekannt?
Bei Verwendung
bleifreier Stoffe können mehr Lötfehler
auftreten. Um Fehlerquellen
auszuschließen
ist es wichtig, sich ausführlich mit den
Eigenschaften von bleifreien Legierungen
und
Flussmittelsystemen auseinanderzusetzen.
Andernfalls kann es aufgrund von Brücken-
oder
Lotkugelbildungen, Nichtbenetzung oder
Entnetzung vermehrt zu Fehlern kommen. Die
Fehlerneigung kann durch Auswahl der
richtigen, mit den Metallen des Lots
kompatiblen
Flussmittelformel und ein
optimiertes Reflow-Profil gemindert werden.
Um bei bleifreien Pasten
gute Lötbarkeit zu
gewährleisten, müssen Leiterplatten und
Bauteile so gelagert und verarbeitet
werden,
dass ihre Lötbarkeit nicht beeinträchtigt
wird. Wenn die Formel mit Sorgfalt gewählt
und
der SMT-Prozess gesteuert wird,
entstehen im Vergleich zum Sn63-Prozess
keine
Produktionseinbußen.
Welche
Fragen sind darüber hinaus bei der
Umstellung auf bleifreie Reflow-Lötvorgänge
zu berücksichtigen?
Vor und nach
der Einführung bleifreier SMT-Prozesse sind
folgende Fragen zu klären:
-
Verfügbarkeit prozesskompatibler
bleifreier Beschichtungen
-
Verfügbarkeit bleifreier Bauteile
-
Thermische Kompatibilität von
Leiterplatten und Bauteilen mit dem
neuen Temperaturprofil
-
Verfügbarkeit einer für den
Bestückungsvorgang und die
Betriebsbedingungen geeigneten
Lotpastenformel, die die Zuverlässigkeit
der Baugruppe gewährleistet
-
Prozessoptimierung und Erfassung
statistischer Daten zur Verbesserung der
Prozesssteuerung
-
Schulungen zu bleifreien Prozessen für
Betriebs- und Führungspersonal
-
Substantielle und logistsiche
Voraussetzungen für die Einführung eines
dualen Systems, wenn sowohl bleihaltige
als auch bleifreie Materialien
verarbeitet werden
-
Entwicklung eines
Überarbeitungsprozesses für bleifreie
Baugruppen
-
Kennzeichnung von Baugruppen als
"bleifrei" für den außerbetrieblichen
Einsatz
|