|
Müssen Leiterplatten bleifrei sein?
Schätzungen
zufolge sind ca. 60-70 % der Leiterplatten
mit Zinn/Blei-Lot beschichtet. In der Regel
erfolgt die Beschichtung durch
Heißverzinnung (HASL). Die Beschichtung wird
auf die
Kupferoberfläche der Leiterplatte
aufgetragen, um eine gute Lötbarkeit zu
gewährleisten und die
Leiterbahnen aus
Kupfer vor Umwelteinflüssen und Korrosion zu
schützen. Durch die RoHS-
Richtlinie
2002/95/EC zur Beschränkung von Schadstoffen
wird der Einsatz von Zinn/Blei-
Legierungen
in diesem Bereich untersagt.
Welche
bleifreien Beschichtungen stehen als
Alternativen zu Zinn/Blei-Beschichtungen zur
Verfügung?
Die Palette der
Alternativen, die bisher für
Zinn/Blei-Beschichtungen angeboten werden,
ist zwar
breit, allerdings weisen diese
Ersatzlösungen auch z. T. andere Merkmale
auf. Bei der Umstellung
auf bleifreie
Produkte geht es leider nicht einfach nur
darum, eine andere Beschichtung
auszuwählen.
Alternative Beschichtungsverfahren sind:
-
Heißverzinnung (HASL) mit bleifreien
Lotlegierungen wie Zinn/Silber/Kupfer-,
Zinn/Silber- oder
Zinn/Kupfer-Legierungen
-
Organische Passivierung (OSP) der
Kupferoberfläche
- Sudzinn
oder -bismutbeschichtungen mit einer
Stärke von 1-2 Mikrometern oder
Silberbeschichtungen mit einer Stärke
von 0,1 Mikrometern
-
Chemisch Palladium direkt auf Kupfer
oder auf Nickel-beschichtetes Kupfer
-
Chemisch Nickel/Sudgold-Beschichtung (ENIG)
Welche Probleme
sind bei bleifreien Leiterplatten u. U. zu
erwarten?
Im Vergleich zu anderen Fragen stellt das
Auftragen einer Beschichtung auf die
Kupferoberfläche
kein großes Problem dar,
und auch die Frage, wie die Sauberkeit und
Aktivität der
Kupferoberfläche während der
Lagerung und der Bestückung gewährleistet
werden kann, ist
letztendlich lösbar. Anders
sieht es mit der Auswahl der Beschichtung
aus.
1. Heiß
verzinnte (HASL) Oberflächen weisen
dieselben Schwachstellen auf wie mit
Zinn/Blei-Lot
beschichtete Oberflächen: die
Pads sind nicht einheitlich und verursachen
Probleme bei der
Bestückung der
Leiterplatte. Außerdem unterscheidet sich
die bleifreie Variante in ihrem
Aussehen von
Zinn/Blei. Die Oberfläche ist glanzlos und
granulös.
2.
Organische Passivierungen (OSP) sind nicht
sonderlich hitzebeständig. Bei
OSP-Beschichtungen
ist bereits fraglich, ob
ein einziger Lötdurchgang unproblematisch
verläuft, so dass das Risiko bei
einem
zweiten Reflow-Durchgang noch steigt.
3. Direkt
auf Kupfer aufgetragene
Sudzinnbeschichtungen mit einer Stärke von
weniger als
1 Mikrometer sind unter
Umständen durch die Bildung von
Kupfer-Zinn-Verbindungen schlechter
lötbar.
An den Rändern der Zinnbeschichtung können
nadelförmige Zinn-Monokristalle (Whiskers)
entstehen. Wenn die Zinnschicht auf eine
Nickelbeschichtung aufgetragen wird,
verbessert sich die
Lötbarkeit, und auch die
Gefahr der Monokristallbildungen nimmt ab.
4. Das
Palladium wird auf die Nickelschicht
aufgetragen, mit der das Kupfer zuerst
überzogen
wurde. Da diese Variante sehr
kostspielig ist, wird sie in der Regel
selten bei Leiterplatten
eingesetzt. Bei
Bauteilen kommt sie jedoch zur Anwendung.
5. Chemisch
Nickel unter Sudgold (ENIG) ist gut lötbar
aber teuer. Das Gold (mit einer Stärke von
ca. 0,1 Mikrometern) löst sich sofort im
geschmolzenen Lot auf und kann problemlos
auf die
Nickelschicht aufgetragen werden.
Wie zuverlässig die Lötverbindung ist, hängt
vom
Phosphorgehalt des Nickels ab. |