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Welche bleifreien Lotlegierungen und
Flussmittel können beim Handlöten eingesetzt
werden?
Bei den
bleifreien Drahtloten werden gegenwärtig vor
allem Zinn-Silber-Kupfer- (Schmelzpunkt
217-221°C), Zinn-Silber- (Schmelzpunkt
221°C) und Zinn-Kupfer-Legierungen
(Schmelzpunkt
227°C) verwendet. Diese drei
Legierungen sind in allen Durchmessern,
selbst als besonders feiner
Draht, mit
wasserlöslichen, No-Clean- oder
Kolophonium-Flussmitteln lieferbar. Die
Legierungen
werden beim Handlöten auf
bleifreie Produkte eingesetzt und können
auch zusammen mit anderen
bleifreien
Legierungen verwendet werden.
Muss die Spitze des Lötkolbens bei
bleifreien Lotlegierungen stärker erhitzt
werden?
Die
Temperaturen sind beim Handlöten mit
bleifreien Drahtloten nicht unbedingt höher.
Die
Lötspitze muss jedoch eine Temperatur
von mindestens 371-427°C aufweisen. Beim
Löten fällt die
im Gegensatz zu
herkömmlichen Sn63-Loten etwas langsamere
Benetzung auf. Um eine gute
Qualität zu
erzielen, empfiehlt sich ggf. eine
stufenweise Erhöhung der Kontaktzeit. Auch
in der
Oberflächenbeschaffenheit der
Lötstelle fallen Unterschiede auf. Matte
Lötstellen sind für die o. g.
bleifreien
Lote jedoch durchaus typisch. Mit der
Verwendung bleifreier Lote mit hohem
Zinngehalt
ist außerdem eine verstärkte
Erosion der Lötspitze verbunden, d. h., die
Spitze des Lötkolbens
muss häufiger
ausgetauscht werden.
Was ist für die Nachbearbeitung bleifreier
BGAs zu beachten?
Die
BGA-Komponenten sind beim Ablöten und Löten
höheren Temperaturen ausgesetzt, da der
Schmelzpunkt von Zinn-Silber-Kupfer
beispielsweise bei 217-221°C liegt. Durch
die gezielte
punktuelle Erhitzung können
Schäden an der Leiterplatte verursacht sowie
- bei der Aufbringung
von Komponenten - die
Zuverlässigkeit der BGAs nachhaltig
beeinträchtigt werden. Eine
übermäßige
Erhitzung sollte daher vermieden werden.
Inzwischen gibt es hervorragende
Lösungen
für die Nachbearbeitung bleifrei gelöteter
BGAs. Dabei wird punktuell eine genau
berechnete Menge Luft oder Stickstoff unter
die Komponente geleitet. Durch diese
Verfahrensweise und eine verbesserte
Unterseite wird die Überhitzung verhindert.
Welche
Flussmittel können für die Nachbearbeitung
bleifreier Lötstellen verwendet werden?
Das bleifreie
Löten unterscheidet sich in dieser Hinsicht
nicht vom Löten mit Sn63. Bei den
Flussmitteln gibt es wasserlösliche,
No-Clean- und Kolophonium-Systeme, die ganz
speziell auf die
beim Handlöten und bei der
Nachbearbeitung wesentlichen Erfordernisse
zugeschnitten sind. Auf
Grund der stärkeren
Konzentration der enthaltenen
Aktivierungsmittel sind Lote mit
wasserlöslichen Flussmitteln besser lötbar.
Lote mit No-Clean-Systemen, die schwach
konzentrierte organische Säuren enthalten,
sind im Vergleich nicht so gut lötbar und
neigen bei
sehr hohen Temperaturen stärker
zur Deaktivierung.
Ist beim Löten
mit bleifreien Legierungen eine stärkere
Rauchbildung zu erwarten?
Für das
bleifreie Löten wurden neue Flussmittel
entwickelt, deren Systeme hitzebeständiger
sind.
Diese Flussmittel zersetzen sich auch
bei den mit bleifreien Loten verbundenen
geringfügig
höheren Prozesstemperaturen
nicht.
Muss beim
Handlöten unter Stickstoff gearbeitet
werden?
Wenn ein
speziell für bleifreie Prozesse entwickeltes
Flussmittel verwendet wird, ist der Einsatz
von Stickstoff bei der Nachbearbeitung nicht
zwingend erforderlich. Bei Markenprodukten
können
Sie i. d. R. davon ausgehen, dass das
Flussmittel auch bei höheren Löttemperaturen
aktiv bleibt.
Flussmittel für Drahtlote und
Flussmittelgels für die Nachbearbeitung
enthalten stabile
Aktivierungsmittel und
Kolophoniumharze, die genau auf die
Einsatzbedingungen der Legierung
und die
Prozesstemperaturen abgestimmt sind. Unter
Stickstoff wird jedoch die
Oxidationsbereitschaft herabgesetzt, d. h.,
hier wird dieselbe Qualität mit weniger
Flussmittel und
schwächeren
Aktivierungsmitteln erzielt.
Wie
kann ein gutes und dennoch leicht zu
handhabendes bleifreies Handlötverfahren
entwickelt werden?
Eine neue
Studie, deren Ergebnisse im Dezember 2004
von TechSearch International im "Lead-
free
Update" veröffentlicht wurden, weist darauf
hin, dass Handlöten im Vergleich zu
bleifreiem
Wellenlöten und SMT schwieriger
umzusetzen ist.
Das könnte
daran liegen, dass Handlöten eher
bedienerabhängig ist als Reflow- und
Wellenlöten.
Außerdem ist die
Oberflächenspannung in bleifreien
Lotlegierungen etwas höher. Auch die
Benetzung oder Ausbreitung geht im Vergleich
zu 63/37 etwas langsamer vonstatten.
Bedienungsprobleme und mangelnde Benetzung
lassen sich nur durch eine entsprechende
Optimierung des Lötvorgangs verhindern. Um
etwaige Probleme zu vermeiden, verwenden Sie
einen Flussmittelgehalt von 2-3 Gew.-% im
Drahtlot sowie eine Lötkontakttemperatur von
371-
427ºC. Ein Zinn-Silber-Kupfer-Lot (SAC)
wird außerdem bessere Fließeigenschaften
aufweisen als
eine Zinn-Kupfer-Legierung (SnCu).
Die größten
Schwachstellen beim bleifreien Handlöten
sind kalte Lötstellen, schlechte Benetzung
und Entnetzung. Solche Probleme können
jedoch vermieden werden.
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