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Müssen die Anschlüsse der Bauteile bleifrei
sein?
Die
Anschlüsse der Bauteile, d. h. alle
gelöteten Oberflächen, müssen bleifrei sein.
Außerdem
müssen die Lotkugeln für BGAs
bleifrei sein. Bei im Rahmen der
Zusammensetzung des Bauteils
intern
angewendeten Lötlegierungen ist ein
Bleigehalt von über 85 % zulässig.
Welche
bleifreien Beschichtungen stehen als
Alternativen zu Zinn/Blei-Beschichtungen zur
Verfügung?
Die
Anschlüsse der Bauteile weisen
einheitlichere Löteigenschaften auf, wenn
sie zuvor mit
geschmolzenem Lot (blei)verzinnt
werden. Bleifreie Alternativen zur
Bleiverzinnung sind
Zinn/Silber/Kupfer-,
Zinn/Silber-, Zinn/Kupfer- und Zinn/Bismut-Legierungen.
Andere
Metallbeschichtungen können
galvanisch auf die Anschlüsse aufgebracht
werden, allerdings sind
bei Leiterplatten
einige Probleme mit dem Beschichten
verbunden. Bei der Mehrzahl der
Bauteilhersteller werden Oberflächen
standardmäßig galvanisch matt verzinnt oder
Palladium/Nickel-beschichtet. Chemisches
Nickel/Sudgold ist ebenfalls eine Variante,
allerdings
darf der Phosphorgehalt des
Nickels nicht über 7-8 % liegen.
Welche Probleme
sind bei bleifreien Bauteilen u. U. zu
erwarten?
Als
wichtigste Probleme sind auch hier die im
Zusammenhang mit bleiverzinnten
Bauteilan-
schlüssen bekannten Probleme zu
nennen: Entnetzung oder Nichtbenetzung.
Anschlüsse können
auch, wenn sie nicht
lötbar sind, galvanisch verzinnt werden.
Gold und Palladium zersetzen sich
jedoch
sofort im Lot, d. h., das Nickel unter dem
Edelmetall muss lötbar sein.
Welche
Änderungen bezüglich der bleifreien Montage
enthält J-STD-020C seit Juli 2004?
IPC/JEDEC
J-STD-020C (Stand: Juli 2004; Titel:
"Moisture/Reflow Sensitivity Classification
for
Non-hermetic Solid State Surface Mount
Devices") enthält Informationen zu den
thermischen
Profilen, die SMD-Komponenten
erfüllen müssen, um für die bleifreie
Fertigung zugelassen zu
werden.
Höhere
thermische Profile beim bleifreien Löten im
Bereich von 235-255ºC erfordern unter
Umständen eine Neubestimmung der
Feuchtigkeitsgrenzen der Komponenten. Diese
Daten müssen
bekannt sein, damit geeignete
Maßnahmen ergriffen werden können, um
Feuchtigkeitsprobleme,
wie Körnung,
Delaminierung und Rissbildung während des
bleifreien Reflow-Vorgangs zu
vermeiden.
Diese
IPC-Norm kann auch für die Beschaffung von
Nutzen sein, damit bleifreie Komponenten
gemäß der Normanforderungen zugeordnet
werden können.
Können
bleihaltige Komponenten durch bleifreies
Wellenlöten verbunden werden?
Bleihaltige
Anschlüsse können nicht durch bleifreies
Wellenlöten verbunden werden. Bleifreie
Lotstangen enthalten eine geringe Menge an
Blei: in der Regel zwischen 0,01 und 0,08 %.
Die
RoHS-Richtlinie erlaubt einen maximalen
Bleigehalt von 0,1 %. Es sind also nur
geringe Mengen an
Blei nötig, um diese
Grenze zu überschreiten. Um den Grenzwert
einzuhalten, sollten bleihaltige
Anschlüsse
vermieden werden. Außer durch Verdünnung
gibt es keine effektive Möglichkeit, den
Bleigehalt zu senken, wenn die Höchstgrenze
von 0,1 % überschritten wird.
Eine
Bleiverunreinigung kann auch zu Fillet
Lifting und Fillet Tearing führen. Auch wenn
dies
gemäß IPC-610D kein Mangel darstellt,
muss die Auswirkung auf Baugruppen, die eine
hohe
Zuverlässigkeit erfordern, noch durch
weitere Studien untersucht werden. Bei der
Unterhaltungselektronik ist die
Zuverlässigkeit in dieser Hinsicht kein
Kriterium, da die meisten
Produkte bei der
Verwendung keinen Temperaturschwankungen
oder -schocks unterworfen sind.
Können
bleihaltige Anschlüsse mit bleifreien
Lötmitteln in einem SMT-Verfahren
zuverlässig gelötet werden?
Die Menge an
Blei bei SMD-Anschlüssen kann gering sein;
oft verwenden Bauteilhersteller für die
Verzinnung 10/90 oder 15/85. Eine geringe
Menge an Blei geht in die bleifreie
Verbindung über.
Bei einem Bleigehalt von
weniger als 2 Gew.-% wird die Zug- und
Schubfestigkeit im Test nicht
beeinträchtigt. Einige Hersteller verwenden
eine Mischung aus bleihaltigen und
bleifreien SMDs,
ohne dass die
Produktzuverlässigkeit beeinträchtigt wird.
In den meisten Fällen handelt es sich um
Produkte aus dem Bereich der
Unterhaltungselektronik.
Wenn höchste
Zuverlässigkeit erforderlich ist, ist jedoch
ein vollkommen bleifreies System
vorzuziehen. Wenn bleihaltige
SMD-Komponenten verwendet werden müssen,
wird empfohlen, die
Zuverlässigkeit des
Produkts zu testen.
Es ist zu
beachten, dass gemäß der RoHS-Richtlinie der
Bleigehalt auch in den Lötstellen einen
Wert
von 0,1 % nicht überschreiten darf.
Bleihaltige Anschlüsse können zu höheren
Werten
führen.
Können
bleifreie Anschlüsse mit bleihaltigen Loten
wie 63/37 gelötet werden?
Bleifreie
Anschlüsse, z. B. aus reinem Zinn,
Silber-Palladium und Zinn-Bismut, sind seit
Jahren im
Einsatz. Diese Anschlüsse wurden
bereits problemlos mit 63/37-Lötmitteln
gelötet.
Immer mehr
Bauteile, die ehemals Bleibeschichtungen
aufwiesen, werden heute bleifrei
angeboten.
Einige Bauteilhersteller vergeben neue
Bauteilnummern oder informieren
Vertriebshändler und Leiterplattenhersteller
über die vorgenommenen Änderungen. Dies ist
jedoch
leider nicht immer der Fall. Um die
Zuverlässigkeit eines Produkts weiterhin
gewährleisten zu
können, müssen Hersteller
von Leiterplatten wissen, um was es sich bei
diesen neuen
Beschichtungen handelt. Auch
wenn nicht bleifrei gelötet wird, kann eine
veränderte Lötbarkeit
eine
Verfahrungsoptimierung erforderlich machen.
Wie kann
überprüft werden, ob die gelieferten
Bauteile wirklich bleifrei sind?
Da nicht
alle Bauteillieferanten die Teilenummern der
Bauteile ändern, kann sich dies als sehr
schwierig erweisen. Einige Lieferanten
markieren die Verpackung von bleifreien
Bauteilen mit
einem entsprechenden Symbol.
In Zweifelsfällen gibt es einige
Analysemethoden. Hierbei kann es
sich sowohl
um zerstörende als auch zerstörungsfreie
Verfahren handeln.
Eine
zerstörungsfreie Methode besteht darin, die
Oberfläche der Bauteile mit einem
Wattebausch
abzuwischen und diesen
Wattebausch in eine reaktive Chemikalie
einzutauchen. Bei einem
Bleigehalt erhält
die Chemikalie eine rosa bzw. rote Färbung.
Zu den zerstörenden Methoden
gehören SEM/EDX-,
ICP- oder AAS-Messungen.
Gibt es eine
international geltende Markierung, die auf
die Einhaltung der RoHS-Richtlinie und/oder
Bleifreiheit von Leiterplatten hinweist?
Nein, eine
solch international geltende Markierung gibt
es nicht. Die RoHS-Richtlinie erfordert
keine
Markierung der fertigen Leiterplatten.
Das Soldertec-Institut und IPC haben einige
Empfehlungen
zur Markierung veröffentlicht.
Dabei kann es sich um Symbole wie die
durchkreuzten Buchstaben
"Pb" in einem roten
Kreis oder einen Rombus mit dem Text "RoHS"
in schwarzen Buchstaben
handeln. Ein
häufiges Symbol für die Baugruppe ist der
Buchstabe "e" und einer darauf folgenden
Nummer. Jede Nummer weist auf eine
Legierungsfamilie hin. Keine Markierung
bedeutet "SnPb".
Weitere
Informationen erhalten Sie unter
www.ipc.org
oder
www.soldertec.org
Wie kann
gewährleistet werden, dass die bleihaltigen
und bleifreien Lötmaterialien in der
Produktion nicht verwechselt werden?
Sie sollten
eine vollständige Inventarliste aller
derzeit verwendeten Materialien aufstellen,
wobei
alle Positionen eindeutig
gekennzeichnet werden. Die Fertigungslinien
sollten nach bleifreien oder
bleihaltigen
Verfahren unterteilt und gut voneinander
getrennt sein, um Verunreinigungen zu
vermeiden.
Die
bleifreien Lötprodukte von Kester sind
leicht zu erkennen: bei der Verpackung von
Pasten
verwenden wir unterschiedliche Farben
und bei Lotstangen unterschiedliche Formen.
Dadurch wird
dem Kunden die Umsetzung von
vollkommen bleifreien Lösungen erleichtert.
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