Umstellung auf bleifreie
Verfahren: Von der Vision zur Realität
Die
EU-Richtlinie über die Abfallentsorgung von Elektro-
und Elektronikaltgeräten (WEEE) fordert
den
stufenweisen Ausstieg aus der Verwendung
bleihaltiger Materialien beim Löten elektro-
nischer
Baugruppen bis zum Juli 2006. Japan unternimmt alle
Anstrengungen, die Umstellung
sogar noch schneller
zu Ende zu bringen. Bleifreie Materialien gewinnen
damit weltweit an
Bedeutung.
Die
Geschichte der No-Clean-Flussmittel reicht in die
Mitte der 80er Jahre zurück. Damals kamen
in den USA
im Zuge der Bemühungen um eine Reduzierung des
FCKW-Ausstoßes zum ersten
Mal Flussmittel auf den
Markt, deren Rückstände nicht von den gelöteten
Leiterplatten entfernt
werden mussten. Der Einsatz
von flüssigen No-Clean-Flussmitteln oder von
No-Clean-Lotpasten
galt damals bei
Leiterplattenherstellern noch als unvorstellbar. Um
die Zuverlässigkeit der
Produkte zu gewährleisten,
mussten die Flussmittelrückstände in jedem Fall
entfernt werden.
Heute
wird beim Löten von Baugruppen zu 85 % mit
No-Clean-Flussmitteln gearbeitet.
No-Clean-
Flussmittel haben sich als zuverlässig
erwiesen. Da der Reinigungsprozess und die dabei
entstehenden Abwässer entfallen, sind diese
Flussmittel auch umweltfreundlicher.
Zweifellos bringt das bleifreie Löten aber auch eine
ganze Reihe von Problemen mit sich. Die für
Bestückungsanwendungen entwickelten bleifreien
Legierungen sind neu, d. h., in Bezug auf die
Grenzen beim Einsatz dieser Stoffe gibt es bisher
erst wenige zuverlässige Daten. Die beiden
wichtigsten Alternativen sind Zinn/Silber/Kupfer-
und Zinn/Kupfer-Legierungen. Diese
Legierungen haben
höhere Schmelztemperaturen und weisen auf
metallischen Oberflächen
geringere
Benetzungsgeschwindigkeiten auf, außerdem
unterscheiden sich die Lötstellen im
Aussehen von
Zinn/Blei-Lötverbindungen: Sie glänzen weniger. Die
Flussmittel, die sich aufgrund
ihrer chemischen
Zusammensetzung beim Löten mit Bleilegierungen
bewährt haben, sind für das
bleifreie Löten
keineswegs in derselben Weise geeignet.
Im Bezug
auf das bleifreie Löten sind Fragen der
Kompatibilität mit den verschiedenen
Oberflächenbeschichtungen von Leiterplatten und
Bauteilen neu zu klären. Unsicherheit herrscht
auch
in Bezug darauf, welchen Temperaturen Leiterplatten
und Bauteile ohne Risiken für eine
uneingeschränkte
Funktionsfähigkeit standhalten.
Die
erforderlichen Prozessänderungen für eine
angemessene Benetzung und die richtigen
Flusseigenschaften der bleifreien Lötmittel sowie
Kriterien für das Löten unter Stickstoff sind
noch
nicht festgelegt.
Mit der
verstärkten Herstellung bleifrei gelöteter
Leiterplatten in Europa und Asien erweitert sich
auch das Angebot kompatibler
Oberflächenbeschichtungen für Leiterplatten und
Komponenten.
Mittlerweile gibt es auch
Prozessmodifikationen, wie z. B.
Löttiegelbeschichtungen für
Wellenlötgeräte, die
unerwünschtes Durchsickern verhindern. Reflow-Öfen
können relativ
einfach auf höhere Temperaturprofile
umgestellt werden. Die meisten Öfen erfüllen die
entsprechenden thermischen Anforderungen.
Inzwischen gibt es auch No-Clean- und wasserlösliche
Flussmittel, die bei bleifreien Materialien
auch
ohne Stickstoff eine verbesserte Benetzung
ermöglichen.
Diese
neuen Systeme enthalten innovative
Aktivierungspakete und temperaturbeständigere
Kolophoniumharze und verbessern die Verbreitung von
Zinn/Silber/Kupfer- und Zinn/Kupfer-
Legierungen,
während die Lunker- und Brückenbildung reduziert
wird. So gut diese Rezepturen
heute auch schon sind,
wird doch weiterhin intensiv an ihrer Verbesserung
gearbeitet.
Due
Umstellung auf bleifreies Löten ist heute keineswegs
mehr unvorstellbar. Wenn wir sechs
Jahre
zurückblicken, wird deutlich, dass wir dieser
Realität schon erheblich näher gekommen
sind.
Während anfänglich noch ca. 100 bleifreie
Legierungsvarianten im Gespräch waren, werden
heute
nur noch ca. ein Dutzend verwendet, wobei sich vor
allem beim Wellenlöten die
Zinn/Silber/Kupfer- sowie
Zinn/Kupfer-Legierungen zunehmend als
internationaler Standard
durchsetzen.
Die
Prozessparameter für die effektive und verlustfreie
Einführung des bleifreien Lötens sind
bereits
definiert. Wiederholte Analysen von
Prozessvariablen, angefangen bei den
Beschichtungen
der Bauteile und Leiterplatten über die Auswahl der
Lötflussmittel bis hin zur
Optimierung der einzelnen
Variablen für den Einsatz von bleifreiem Lötmaterial
im Prozess,
bilden ein solides Fundament für
bleifreies Löten. Durch die Aufstellung geeigneter
Richtlinien für
die Qualitätsprüfung bleifreier
Lötstellen und durch die Schaffung eines geeigneten
Überarbeitungsprozesses wird dieselbe
Zuverlässigkeit gewährleistet, die wir von einem
Zinn/Blei-Prozess gewohnt sind.
Die
vielen Unternehmen, die heute bereits bleifreie
Lötprozesse einsetzen, haben ein Konzept für
die
Umsetzung der vorgegebenen Ziele entwickelt. Der
Umstieg auf bleifreie Produkte dauert
natürlich
seine Zeit. Angesichts der vom Gesetzgeber
vorgeschriebenen Frist ist aber genau jetzt
der
richtige Zeitpunkt gekommen, um bleifreie
Wellenlöt-, Reflow- und Nachbearbeitungsver-
fahren zu
erforschen und einzuführen.
Bleifreies Löten ist längst keine Frage der
technischen Umsetzbarkeit mehr. Vielmehr ist es
höchste Zeit für uns, dem bereits bestehenden Trend
zu folgen und Verantwortung zu
übernehmen.
Kester
hat qualitativ hochwertige Lötstoffe
entwickelt, die die Umstellung auf
bleifreie
Bestückungsvorgänge bereits ermöglichen.
Die Palette der Kester-Produkte reicht von Lotpasten
über flüssige Flussmittel und Massivdrahtlot bis zu
Formteilen und Lotkugeln. Alle Produkte
wurden
gezielt für zuverlässige bleifreie Prozesse
entwickelt.
Die
Entwicklung stabiler chemischer Verbindungen für
bleifreie Prozesse fällt bei Kester in den
Aufgabenbereich einer internationalen Abteilung für
Forschung und Entwicklung. Dabei arbeitet
Kester
nach dem Grundsatz, dass Produktqualität, Fachwissen
und technologisches Know-how
bei der Umstellung auf
bleifreie Prozesse Hand in Hand gehen. Die
Wissenschaftler, die bei
Kester an der Entwicklung
der Anwendungen arbeiten, sind durch die
betreffenden Stellen
zertifiziert und durchaus in
der Lage, zur Klärung technologischer Fragen im
Rahmen der
bleifreien Bestückung beizutragen.
Die
Kester-Universität wurde ins Leben
gerufen, um ein Forum zur Verbreitung des
umfangreichen Wissens zu schaffen, das Kester im
Laufe der Arbeit sammeln konnte. Die
Kester-Universität zeichnet sich durch ein
erstklassiges Kursangebot zum Thema
bleifreier
Bestückungstechnologien aus. Durch das
bereits vorhandene Wissen zu bleifreien Technologien
können viele bestehende Hürden beim bleifreien Löten
überwunden werden; Einbußen in Bezug
auf die
Zuverlässigkeit oder die Produktionserträge sind bei
der Umstellung auf eine bleifreie
Fertigung also
nicht zu befürchten.
Mit Kester werden bleifreie Baugruppen schon heute
zur Realität.
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